Jetzt mal ehrlich. Habt ihr schon mal Gutscheine, oder Neudeutsch: Vouchers bei Groupon oder DailyDeal & Co gekauft, in der Annahme, dass dies nun ein Mega-Schnäppchen war?
Auf den ersten Blick: Tolle Preise und der Deal kommt zustande, wenn genügend Kunden dieses Angebot kaufen. Ein Riesenhype entstand, fast jeder meiner Bekannten deckte sich großzügig ein.
Doch hat sich das Prinzip bewährt? Kann es in der uns bekannten Form wirklich nachhaltig sein? Ich meine, nein.
Die Verbraucherzentralen schlugen bereits Alarm. Denn habt ihr auch erst nach dem Kauf das Kleingedruckte gelesen? Die meist sehr kurzen Laufzeiten übersehen? Habt ihr euch gezwungen gesehen, einen Termin wahrzunehmen, weil es eben nur zu einer bestimmten Zeit ging? Habt ihr freudig einen Termin für ein Service-Angebot vereinbaren wollen und musstet dann feststellen, dass der Anbieter überfordert ist und frühestens “was in acht Wochen” anbieten kann? Habt ihr missmutige Dienstleister erlebt, die einen dafür abstrafen, dass man dieses unmoralische Angebot angenommen hat?
Ich: ja, ja, ja, ja, ja und JA. Mir passierte das dauernd und deswegen werde ich solche Angebote von nun an meiden.
Warum? Was sind meine persönlichen Top Ten Gründe, ergänzt durch die, die ich in Bewertungsportalen recherchiert habe?
- Der Kunde tritt immer in Vorkasse. Eine Entschädigung für den Käufer, sollte der Unternehmer Pleite gehen, gibt es nicht.
- Meiner Einschätzung nach basiert das Geschäftsmodell der Dealvermittler auf dem Prinzip der Intransparenz und kurzfristigen Verfallsdaten.“Jeder zweite der 30 begutachteten Deal-Gutscheine wies gleich drei oder gar vier solcher Fußangeln auf” schreibt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die oft kurzen und je nach Angebot unterschiedlichen Verfallsdaten sind selten deutlich zu erkennen, es gibt auch keinen Reminder von den Dealanbietern. Immerhin will laut Focus Online Dailydeal den Unternehmern hier großzügig anbieten, in diesen Fällen auf seine Provision zu verzichten. Rechtlich sind diese kurzen Fristen grundsätzlich zulässig, auch wenn die Befristung nicht zu knapp sein darf. Was “zu knapp” ist, hängt jedoch vom Einzelfall ab und ist vom Einzelkunden wohl kaum durchschaubar. Unter Zeitdruck übersieht man leicht das Kleingedruckte (“Oups, ich bin kein NEUkunde, also gilt dieses Angebot für mich gar nicht?“)
- Einige Unternehmer formulieren ihre Angebote zum Teil (für sie!) ruinös. Die Dealverkäufer beraten oft nicht ausreichend gut. Sie wollen verkaufen – und Gewinn dabei machen.
- Die Angebote müssen finanziert werden – die Folgen trägt meist der Kunde. Ersparnisse bei dem Angebot, der Umsetzung, der Dienstleistung zahlen die wiederum Anbieter häufig durch schlechte Bewertungen in diversen Bewertungsportalen. Große Anbieter können bei Dumpingpreisen vielleicht auf ihr Marketingbudget zurückgreifen – kleine Anbieter haben es deutlich schwerer in diesen harten Konkurrenzkampf.
- Häufig gilt das Angebot nur an bestimmten Tagen, zu bestimmten Zeiten oder für sehr spezielle, nicht immer verfügbare Angebote. Durch diese Einschränkung gebe ich im Endeffekt mehr aus.
- Ich gehe ohne viel zu recherchieren, in Läden, die ich weder von Freunden kenne, noch die auf meinem Weg liegen. Das ist nicht immer sinnvoll.
- Bei Beschwerden ist häufig keiner so richtig zuständig.
- Ich bedaure die Menschen, die vermutlich in großen Zwiespalt für die Dealvermittler arbeiten und verkaufen müssen, wie zum Beispiel in dem “Fegefeuer“ Groupon.
- Was ist mit der Datensicherheit? Gutscheine sind nicht anonym einlösbar: Name, Adresse und andere Informationen müssen beim Kauf angegeben werden. Am Rande: Erst kürzlich wurde die Nutzerdatenbank einer Groupontochter laut Coupons4u.de offen ins Netz gestellt.
- Last but not least: Die wenigsten Angebote sind echte Schnäppchen.
Fazit: Auf dem ersten Blick, sprechen aus Unternehmersicht einige Gründe dafür – wie die große Reichweite, die gesenkte Hemmschwelle, die scheinbare Kalkulierbarkeit, das vermeintlich geringe Risiko, die Kurzfristigkeit und Messbarkeit der Ergebnisse. Auf der anderen Seite stehen: Mangelnde Zielgruppeneingrenzung, Umsetzungsschwierigkeiten, Unzufriedenheit der neuen und alten Kunden, der mögliche Reputationsschaden sowie hohe Provisionen und restriktive Verträge. Eine recht schöne Zusammenfassung der Vor- und Nachteile speziell für Restaurants findet sich hier, unter Restaurantwerbung.de.
Wie seht ihr das, seid ihr glücklich mit euren bisherigen Käufen, oder bereut ihr sie?

Hallo Silke,
gerne möchte ich Dir Feedback zu Deinem Blogeintrag geben.
Prinzipiell sind wir sehr dankbar für Kundenfeedback. Wir führen beispielsweise – wie auch jetzt gerade (https://www.research.net/s/WQNMJGK) – regelmäßige Umfragen durch, um unser Produkt kontinuierlich weiterentwickeln und optimal auf die Wünsche von Werbepartnern und Kunden (Gutscheinkäufern) abstimmen zu können. Wir erhalten hierbei überwiegend positives Feedback.
Bei den diversen, von Dir genannten Wortmeldungen auf Bewertungsportalen handelt es sich um Statements der so genannten „lauten Minderheit“: (Fast) nur unzufriedene Kunden teilen Ihre Erfahrungen. Zufriedene Kunden sehen hingegen oft keinen Anlass, über Ihre positiven Erlebnisse zu berichten.
Natürlich möchte ich aber gerne auf einige der von Dir aufgezeigten Punkte eingehen, da ich echten Erklärungsbedarf sehe:
Zu Punkt 1:
Wenn einer unserer Werbepartner Insolvenz anmelden muss, bemühen wir uns um Ersatz oder erstatten den Kaufpreis zurück. Dies ist so auch in unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen geregelt.
Zu Punkt 2:
Wir sind sehr um Transparenz und Fairness bemüht. Nicht umsonst informieren wir an prominenter Stelle (direkt unter dem Dealbild, gleich neben den Highlights) über die Konditionen, zu denen ein Gutschein eingelöst werden kann. Mehr können wir nicht tun. Es liegt einfach auch am Kunden, diese Informationen vor dem Kauf zu nutzen.
Nach dem Kauf kann ein Gutschein innerhalb von 14 Tagen zurückgegeben werden.
Die Verbraucherzentrale NRW hat, laut eigenem Bekunden (http://www.vz-nrw.de/UNIQ133311821120174/link955751A.html) übrigens 30 Deals von einem Dutzend Couponing-Portalen untersucht. Dabei schaltet alleine DailyDeal jeden Tag bis zu 110 verschiedene Angebote. Inwieweit die Stichprobe der VZ NRW aussagekräftig ist, muss sich vor diesem Hintergrund jeder selbst beantworten. Unser Statement findest Du hier: http://blog.dailydeal.de/blog/corporate-news/presse/statement-zur-kritik-der-verbraucherzentrale-nrw
Zu Punkt 3:
DailyDeal legt großen Wert auf langfristige Partnerschaften mit Unternehmen. Wir beraten deshalb umfassend und helfen auch dabei, Deals zu konzipieren, die für Unternehmen kostendeckend bis profitabel sind. Die von Dir genannten und von der VZ NRW kritisierten „Fußangeln“ sind beispielsweise nötig, um Rabatte von bis zu 80 Prozent überhaupt wirtschaftlich abbilden zu können.
Zu Punkt 6:
Wir wählen unsere Werbepartner sorgfältig aus. Bevor ein Deal auf die Plattform kommt, durchläuft er einen mehrstufigen Qualitätscheck. Unsere Deals verstehen wir als Empfehlung für einen vielfältigen (und bezahlbaren) Lifestyle. Unabhängige Studien (http://www.absatzwirtschaft.de/content/online-marketing/news/sonniges-klima-fuer-couponing-im-tourismus-bereich;76389) haben ergeben, dass unsere Kunden den Nutzen von DailyDeal darin sehen, neue Angebote zum Kennenlernpreis erleben zu können.
Zu Punkt 7:
Unser Kundenservice steht per E-Mail (info@dailydeal.de) oder telefonisch ( 0049 (0)30 577 00 750 ) an sieben Tagen die Woche zur Verfügung. Es kann also nicht die Rede davon sein, dass „häufig keiner so richtig zuständig“ ist.
Zu Punkt 9:
Groupon gehört nicht zu Google, sondern ist eigenständig. DailyDeal wurde im September 2011 von Google übernommen (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,787093,00.html) . Die Daten werden gemäß der geltenden Datenschutzbestimmungen streng vertraulich behandelt. Die Datenschutzerklärung findest Du hier: http://dailydeal.de/datenschutz
Zum Abschluss sei mir noch der Hinweis gestattet, dass die Zitate ausschließlich von Unternehmen stammen, die ihre Erfahrungen mit Groupon gesammelt haben. Erfahrungen die mit einem einzelnen Anbieter gesammelt wurden, sollten daher nicht auf die gesamte Branche verallgemeinert werden.
Beste Grüße,
Michael
Hi Michael,
ich danke dir für deinen Beitrag! Es tut mir Leid, ich habe tatsächlich Groupon mit Daily Deal verwechselt, Danke für die Korrektur (die ich in meinem Text auch noch vornehmen werde).
Inwiefern sich die berichtete Praxis zwischen Groupon und anderen Anbietern in der Tat unterscheidet, könnt Ihr sicher besser darlegen als ich. Ich vermute nur, dass Groupon die selben Argumente anführen würde.
Das mit der “lauten Minderheit” ist uns als Internetunternehmen wohl bekannt. Am Ende entscheiden die Kunden, die wieder kommen oder eben nicht.
Allerdings kenne ich fast ausschließlich Leute, die frustriert ihren versemmelten Deal hinnehmen, die kosten ohne Murren tragen – und zu der schweigenden Mehrheit gehören, die ihren Faux Pás lieber vergessen wollen, denn ihnen ist ja ein Fehler unterlaufen.
Deine Punkte räumen meine Bedenken noch nicht aus. Es wäre schön, wenn du auf Kritikpunkte wie die hohe Provision, die kurzen Fristen oder unklare Zuständigkeiten eingehen würdest. Warum schickt ihr den Kunden nicht einen Reminder, dass ihr bereits gekaufter Deal in Kürze verfällt? Oder weist noch deutlicher auf die zeitliche Begrenzung hin? Ihr mögt sorgfältig auswählen – aber am Ende seid ihr es doch, die dem Unternehmer einen Deal verkaufen müsst?
Heiße Deals und leere Versprechen? Hier ist noch die Rede davon, dass sollte ein Deal Partner Insolvenz anmelden, sich Dailydeal um einen Ersatz oder eine Kaufpreiserstattung kümmern würde (Aussage eines Pressesprechers). Dieses Versprechen hat ja lange gehalten, gerade wieder erlebt einer der Partner geht insolvent (hat hier Dailydeal u.U. die Partner schlecht ausgewählt?), mitnichten erstattet mir Dailydeal den Kaufpreis oder bietet mir einen Ersatz an. Schade – ihr wart auch mal besser? Für den Mitarbeiter, der dies u.U. lesen sollte: Siehe Ticket Nr. 73293743.
Hallo Silke,
danke für Deine offene Antwort.
Zu Deinen Fragen:
Wir möchten langfristig erfolgreich sein und halten wenig davon, kurzfristig – auf Kosten von Kunden und Werbepartnern – unseren Umsatz in die Höhe zu treiben. Das ist keine leere PR-Phrase, sondern einfach unsere „Art, in den Schuhen zu stehen“.
Dieser Selbstanspruch ist schon heute in vielen Bereichen sichtbar.
Am bekanntesten ist vermutlich die Tatsache, dass wir auf die Breakage verzichten und als einziges Couponing-Portal in D-A-CH Unternehmen stattdessen eine zu 100% garantierte Auszahlung anbieten (http://www.e-commerce-magazin.de/ecm/news/dailydeal-bietet-100-prozent-garantierte-auszahlung-fuer-unternehmen).
Die Provision ist verhandelbar. Wir möchten mit den Unternehmen schließlich über einen längeren Zeitraum zusammenarbeiten.
Die Fristen werden nicht von uns gesetzt. Sie werden von den Unternehmen festgelegt. Auch nach Ablauf der Frist kann ein (dann ja nicht mehr gültiger) Gutschein übrigens zurückgegeben werden. Wir schreiben den Kaufbetrag abzüglich einer kleinen Bearbeitungsgebühr (15%, nie mehr als 10 Euro) dem Kundenkonto gut. Das Geld ist also nicht verloren, sondern kann für den Kauf anderer Gutscheine verwendet werden. Von dieser Möglichkeit machen schon heute viele Kunden Gebrauch. Diese Umtauschmöglichkeit besteht für einen Zeitraum von drei Jahren, gerechnet ab dem Schluss des Jahres, in dem der Gutschein ausgestellt wurde. Wenn Du heute einen Gutschein kaufst, kannst Du ihn also noch bis Dezember 2015 zurückgeben.
Zu den unklaren Zuständigkeiten: DailyDeal ist Mittler zwischen Kunden und Unternehmen. Wir wickeln im Auftrag des Unternehmens den Gutscheinverkauf ab und sind vertraglich auch nur berechtigt, in diesem Rahmen Kundenservice zu leisten. Alle anderen Fragen müssen – streng genommen – mit dem jeweiligen Unternehmen geklärt werden. Natürlich stehen wir aber im ständigen Dialog mit diesen Unternehmen und versuchen gemeinsam eine Lösung zu finden, falls es Probleme bei der Einlösung geben sollte.
Wie Du merkst, sitzen wir also häufig zwischen den Stühlen und müssen zwischen zwei Gruppen mit teilweise unterschiedlichen Ansichten und Interessen vermitteln.
Die Idee eines Reminders ist übrigens hervorragend!
Beste Grüße,
Michael
Viel “lustiger” finde ich ja die Probleme hinter den Gutscheinplatformen. Die Betreiber sind natürlich immer nur so gut, wie die Deals die auch angeboten werden!
Leider können die Anbieter nicht alle Deals auch wirklich überwachen. Das müssen die Kunden übernehmen und fallen natürlich ab und an auf ein vermeintliches Schnäppchen rein.
Gerade heute erst habe ich wieder solch ein Angebot gesehen:
http://www.sachsendeal.de/gutscheine/Dresden/4trends/129685
Hier gibt es eine LED Armbanduhr für 99,90€
Sucht man allerdings im Internet nach eben solch einem Gerät findet man bereits nach kurzen mehrere Gadget-Shops: http://www.megagadgets.de/iron-samurai-watch.html Und siehe da, dort kostet diese Uhr nur 16,95€
Manchmal kann man wirklich Schnäppchen machen, allerdings sehe ich das eher in den Bereichen von Gastro-Gutscheinen oder Beauty-Behandlungen. Bei materiellen Dingen, sollte der Kunde immer zweimal schauen!
Grüße Carl
Hallo,
Wenn man sich für dieses Thema näher interessiert, dann sollte man unter http://www.howtodeal.de nachlesen, worauf Käufer und Verkäufer von Gutscheinen zu achten haben, damit am Ende niemand enttäuscht ist.
Schöne Grüße
Auch mehrere E-Mails mit dem Kundenservice brachten mich nicht weiter, stets wird nur mit Textbausteinen geantwortet. Scheinbar hat sich das Vorgehen seitens DailyDeal hier geändert und die Aussagen vom Pressesprecher oben sind nicht mehr aktuell (oder verschiedenen Mitarbeitern beim Kundenservice dort nicht bekannt) – schade.