Die etwas andere Wimpern-Story

„Hey, Sie haben da was!“ oder „Ey, du hast da ‘n Haar im Auge“ sind wohl mit die häufigsten Sätze, die ich in den letzten anderthalb Jahren gehört habe.

Ehrlich gesagt, nicht unverständlich, wenn man die Geschichte dahinter nicht kennt. Um es kurz zu machen: ich habe mir eine 7,7 cm lange Wimper wachsen lassen. Der erste Gedanke, wenn ich dies als neutraler Leser lesen würde, wäre wahrscheinlich: “Ist der bescheuert?“. Ich kann versichern, dass ich es nicht bin, zumindest nicht im negativen Sinn. Die zweite Frage, die sich stellt, ist nach dem „warum?“.

Angefangen hat es in meiner Studienzeit in Bremen, als einigen Kommilitonen auffiel, dass eine meiner Wimpern doch etwas länger war als die anderen. Schnell bekam ich einen gewissen Bekanntheitsgrad à la „Ey, du bist doch der mit der Wimper“, man kann es mögen, man kann es lassen. Das beantwortet jedoch die Frage nach dem „Warum“ leider immer noch nicht. Bis dann irgendwann die Frage aufkam, wie der Weltrekord aussah für diese Art von „Körperanomalien“ (ich mag dieses Wort mehr als „Augenfehlfunktion“). Dieser lag damals im Bereich zwischen sechs und sieben Zentimetern. Gut ok, challenge accepted! „Go, Wimper, go“ hieß es seitdem. Nur leider gibt es irgendwann einige Probleme auf dem Weg zum Sieg. Menschen, die sich nicht beherrschen können, Handtücher, die nach dem Duschen unweigerlich versuchen, dir alles zu vermiesen oder der schlimmste Feind von allen Wimpern: MUTTER NATUR! So kam es leider, dass ich auf der Hochzeit meines Bruders 2010, mein Freund, die gute alte Wimper einen Millimeter vor einer Länge, die mich zur Anmeldung eines Weltrekordes berechtigt hätte, ausfiel. Wie? Keine Ahnung! Es passierte im Schlaf. Hört sich fast so an wie „Wimper Murder – es passierte im Schlaf“… Das war wirklich ärgerlich, geheiratet wurde trotzdem und es war auch ohne Wimper eine wundervolle Feier.

Wimpernfoto

Aber man bekommt ja im Leben oftmals eine zweite Chance, so ich auch. Wimper 2.0 erblickte irgendwann in Hamburg das Licht der Welt und erwies sich als noch widerstandsfähiger als seine Vorgängerversion. Und wieder hieß es „challenge accepted“! Und wieder hatten viele Menschen ihren Spaß. Ich muss gestehen, dass die Reaktionen von Menschen in meinem Umfeld sehr unterschiedlich ausgefallen sind. Die einen unterstützen einen, die anderen schauen einen an, als hätte man drei Arme, sieben Zehen und zweieinhalb Nasen im Gesicht. Beides jeweils interessante Erfahrungen, die mir einiges beigebracht haben. Die jeweiligen Parteien sparen übrigens nicht mit „kreativen“ Sprüchen wie: „Wenn Adrian in den Raum kommt, ist seine Wimper schon drin“ oder „Adrian, ich glaube die Wimper hat die Kontrolle über dich übernommen!“ (die fand ich sogar gut). Da stellt sich wieder die Frage, warum man sowas macht…

Ehrlich? Am Anfang denkt man als fleißiger BWL-Student, dass man sowas vermarkten könnte, was aber schon zu Bremer Zeiten schnell wieder vom Tisch war. Der Versuch Wimper 2.0 war also nur als Herausforderung gegen mich selbst entstanden. Bescheuert? Vielleicht, aber Ich würde es eher ehrgeizig nennen. Über die Zeit bekommt man ein dickes Fell gegen die, die mit so etwas nicht umgehen können, aber auch ein Gefühl dafür, wie cool es ist, wenn Leute ernsthaft mit einem fiebern. An dieser Stelle vielen Dank an meine tolerante Familie, Freundin (sie hatte wohl am meisten darunter zu leiden) Freunde und Arbeitskollegen.

Mittlerweile liegen Beweismaterialien (Fotos, Videos und Aussagen von einem Mediziner und einem Pharmazeutiker, auch an diese beiden noch einmal vielen Dank für die Mühen) in London bei den Damen und Herren, die prüfen, ob es für das angestrebte Ziel reicht. Dieser Vorgang wird noch einige Zeit dauern, aber das werde ich auch noch schaffen, drei Jahre nach Beginn dieses Marathons.

In diesem Sinne: Wenn ihr mich ruft, ich bin immer nur einen Wimpernschlag entfernt. ;-)

Autor:

Hamburger Kunst

Adrian Berger ist Masterstudent im Endstadium an der Universität Hamburg mit den Schwerpunkten „Marketing und Medien“ sowie „Unternehmensführung“. Neben der „Körperkunst“ (;-)) ist er aufgrund seines familiären Backgrounds schon früh mit der Kunst an sich in Berührung gekommen. In seinem Blog www.HamburgerKunst.com schreibt er über das, was sich in Hamburgs Kunstszene so tut: Ausstellungen, Kunstangebote für Kinder u.v.m.. Zu finden ist der Blog übrigens auch auf Facebook.

 

 

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