Familie und Beruf! Kinder und Karriere! Junge Frauen und Männer der ‚Generation Y‘ wollen beides. Aber wie kann die doppelte Doppelbelastung abgearbeitet, die Kinder verantwortungsvoll erzogen und die berufliche Entwicklung dennoch im Auge behalten werden. Meine Antwort: Reden, Aushandeln, Handeln und wieder darüber reden. Es kommt darauf an, die Aushandlungsprozesse mit dem Chef am Küchentisch gut vorzubereiten, gemeinsame Ziele und auch Prioritäten abzustecken. Gemeinsam geht fast alles, nur nicht gleichzeitig. Und Karriere ist auch, wenn die Beziehung hält. Die folgenden ‚Empfehlungen‘ sind aus der fast 10jährigen Beratungsarbeit zum Thema ‚Väter & Karriere‘ in Unternehmen und den zahlreichen Gesprächen mit Vätern in den unterschiedlichsten Lebenslagen entstanden.
Väter wollen heute mehr sein als der Ernährer ihrer Kinder, sie möchten mehr Zeit mit den Kindern verbringen und sich aktiv an ihrer Erziehung beteiligen. Väter sind in der Regel weniger daran interessiert ihre Arbeitszeit dauerhaft und erheblich zu reduzieren. Sie haben vielmehr ein Interesse an kurzfristigen und flexiblen Reduzierungen bzw. Verschiebungen der Arbeitszeit oder des Arbeitsorts um sich in der Familie zu engagieren. Väter wollen im Bedarfsfall nicht lange fragen müssen, sondern sich für die Familie entscheiden können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Eine Art ‚Generalschlüssel‘ für aktive Väter sind Angebote ihres Unternehmens, die Arbeit zeitlich und räumlich zu flexibilisieren.
Situation in Unternehmen
Familie und Erziehungsaufgaben werden in den Unternehmen nach wie vor als Frauen und Mütterthema angesehen. Das liegt auch daran, dass Männer ihre Bedürfnisse im Hinblick auf eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch zu selten äußern oder gar einfordern. Eine Erklärung dafür ist, dass Väter berufliche Nachteile befürchten, wenn Sie diese Wünsche äußern.
Instrumente für Väter
Es gibt meiner Erfahrung nach eine Reihe von Instrumenten, die den Vätern eine aktive Vaterschaft ermöglichen.
- Verzicht auf Überstunden
- Vollzeit Light (32 oder 36 Wochenarbeitszeitstunden)
- Teilzeit, auf Probe oder befristet, auf jeden Fall mit Rückkehrrecht auf eine volle Stelle
- Arbeitszeitflexibilisierung
- Möglichkeiten räumlich flexibel zu arbeiten
- 2 plus X Vätermonate im Rahmen der Elternzeit
- Sabbaticals
Das ist besonders wichtig
Neben diesen Möglichkeiten sind aber zwei weitere Dinge besonders wichtig:
- Es muss Vätern erlaubt sein, von diesen Instrumenten Gebrauch zu machen ohne berufliche Nachteile zu erleiden, und
- Unternehmen, die Ihre Beschäftigten ermutigen, ‚aktive Vaterschaft’ zu leben profitieren von den gewachsenen (sozialen) Kompetenzen der Männer
Das heißt, ansprechende Informationen, Kommunikation von guten Beispielen, eine glaubwürdige Unternehmenskultur und vor allem keine doppeldeutigen Botschaften: ‚Sie wissen ja, wer hier was werden will …‘
Wie Väter vorgehen können:
1. Klären Sie mit Ihrer Partnerin rechtzeitig, am besten vor der Geburt des ersten Kindes, die Aufteilung von Familien-, Haushalts- und Erwerbsarbeit:
- Wer geht wann in die Elternzeit?
- Wollen sie oder ihre Partnerin die Möglichkeit nutzen, während der Elternzeit bis zu 30 Stunden zu arbeiten?
- Wer arbeitet wann und in welchem Umfang?
2. Informieren Sie sich, welche Angebote zur Arbeitszeitflexibilisierung in ihrem Unternehmen bereits existieren.
3. Legen Sie Ihre Ziele fest:
- Wollen Sie Anfangs- und Endzeiten Ihrer Arbeitszeit flexibler gestalten oder generell weniger arbeiten?
- Wie viel weniger wollen Sie arbeiten?
Denken Sie dabei an die Zeit, die Sie für sich, Ihre Kinder oder Partnerin haben wollen. - Ist es sinnvoller, einen oder zwei Tage ganz zuhause zu sein? Oder macht eine kürzere Tagesarbeitszeit mehr Sinn?
- Auf wie viel Geld können und wollen Sie verzichten?
4. Entwickeln Sie einen konkreten Plan für ihre Arbeitswoche
Wenn Sie im Homeoffice arbeiten möchten, planen Sie die Präsenzzeiten im Unternehmen mit ein.
5. Suchen Sie sich Verbündete im Unternehmen, Sie sind garantiert nicht der Erste und der Einzige dem ‚mehr Zeit für Familie und Kinder’ ein Anliegen ist. Finden Sie gute Beispiele in Ihrem oder in anderen Unternehmen. Vernetzen sie sich mit anderen Vätern aus dem eigenen oder anderen Unternehmen, aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Tauschen sie ihre Erfahrungen aus und ermutigen sie sich gegenseitig.
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6. Stellen Sie Ihr Konzept vor
- Sie sind jetzt gut vorbereitet und können zum Chef gehen
- Seien Sie auf Widerstände vorbereitet. Viele Chefs haben ihren Job nur durch familiäre Opfer erreicht.
- Seien Sie auf Überraschungen gefasst, ich kenne Beispiele wo Vätern in solchen Situationen eine Beförderung in Aussicht gestellt wurde.
‚Nein‘ heißt nicht unbedingt ‚nein‘
Sondern erst einmal, dass sich Ihr Chef die Verwirklichung Ihres Anliegens im Moment nicht vorstellen kann. Lassen Sie ihm Zeit und machen Sie ihm deutlich, dass es Ihnen Ernst ist.

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