Teil II: Die Walt-Disney-Technik und andere Ideenfänger


Kreativitätstechniken zur Entwicklung von unglaublichen Ideen

Im ersten Teil der Artikelserie »Wo kommen die Ideen her?« habe ich mich mit den Voraussetzungen für gute Ideen beschäftigt. Ihr könnt sie hier noch einmal nachlesen. Und wie kann es anders sein, werde ich euch heute einige Kreativitätstechniken vorstellen.
Obwohl Ideen ja scheu sind wie Schmetterlinge, haben sie eine große Sehnsucht: Sie wollen gefangen werden. Aber nicht mit schnöden Tricks. Etwas Mühe sollte man sich schon machen, sonst sind sie beleidigt und gehen nicht ins Netz. Dafür gibt es die Kreativitätstechniken. Sie machen also großen Sinn und sollten angewendet werden.
Bitte bei allen Techniken die Grundvoraussetzung beachten: Die Aufgabenstellung und die Zielgruppe müssen eindeutig sein. More »

Teil I: Von ALDI-Piloten, Ideensuchern und Schmetterlingen

Gerade feiern wir das Comeback der Ideen. Sie stehen hoch im Kurs. Dabei geraten die Ideensucher manchmal ganz schön unter Druck.
Wie aber vorgehen bei der Ideenfindung? Wo kommen sie her? Was sind gute Voraussetzungen für Kreativität?
Ich komme gleich zur Sache und theoretisiere nicht darüber, was eine gute Idee ist, was in Wikipedia steht, was Laotse gesagt hat, Sun Tzu oder Einstein.
Ich betrachte das Thema ganz aus meiner Perspektive. Ich garantiere: Wer diesen zweiteiligen Artikel gelesen hat, der hat nur noch gute Ideen, wird über Nacht reich wie DD und kann vermutlich sogar fliegen. Der Rechtsanspruch ist natürlich – wie immer in der Fantasiewelt – ausgeschlossen.


Basics zur Ideenfindung

1. Anarchie – denkt wild und gefährlich

Mit der vorangegangenen Einleitung sind wir auch schon bei der ersten Voraussetzung für hervorragende Ideen: Ihr dürft denken, was ihr wollt – und alles möglichst groß und grenzenlos. Woher sonst kommt das Wort »Brainstorming«? Das heißt doch »Gedankensturm«. Leider ist das Brainstorming ein bisschen zum leidenschaftslosen Flipchart-Anschreiben mit bunten, dicken, quietschenden Filzstiften verkommen. Hallo. Das ist nicht Brainstorming.
»Fällt noch jemand was zum Thema Betriebsfeier ein?« Huuuh!
Ihr seid ab jetzt Anarchisten und euch steht eure ganze Fantasie zur Verfügung. Nutzt sie. Fördert das Chaos. Denkt wild und gefährlich. Backt den größten Kuchen. In Stücke schneiden kann man den immer noch.

Memo-Tags: Großdenker, Anarchisten, Chaosmacher, Ideensucher, Ideenfinder, echte Brainstormer


2. Nur ein klein bisschen Ernst – das Thema und die Zielgruppe

Halt – ein kleine Einschränkung gibt es. Ihr solltet euch natürlich an einem Thema orientieren und an einer Zielgruppe. Diese beiden Faktoren definieren nämlich euer Spielfeld, sonst brennen euch beim Brainstorming die Drähte durch. Oder sucht ihr die Weltidee? Natürlich gilt dieser Punkt nicht für Ideen, die man mit niemanden teilen will. So eine Art Privatideen also.
Für die anderen Ideen gilt aber: Wozu braucht ihr die Idee? Eine Party, die Firmen-Website, eine Kampagne, für die Rede zu Opis Achtzigstem oder den ersten Roman?
Für wen ist die Idee? Für Kinder, eine Fußballmannschaft, die Verwandtschaft, den Vorstand von Volkswagen oder die Häkelgruppe?
Ach ne, das mit der Einschränkung hätte ich unter Punkt 1 sagen müssen? Nein. Ich versuche ja gerade die Regeln umzustoßen, eure Programme durcheinanderzubringen. Break the rules and seize the ideas. Und ganz wichtig: Behaltet immer das Thema und die Zielgruppe im Auge!

Memo-Tags: Thema, Zielgruppe, Spielfeld


3. Verbannt den Bedenkenträger und den Bewerter

Der Bedenkenträger und der Bewerter sind merkwürdige Gestalten. Sie haben in ihrem gesamten Leben wahrscheinlich noch nie eine einzige Idee gehabt, aber – und das ist gemein – sie wissen alles besser und legen die Messlatte gnadenlos hoch. Bei der Geburt jeder noch so kleinen Idee geben sie ihren Senf dazu: »Was für eine doofe Idee«, »Das gab es doch schon x-mal«,»Das soll eine gute Idee sein?«, »Mit der Idee kommst du nicht mal bis zur Kantine«,»Setz die Idee um und du blamierst dich bis auf die Knochen« Und das sind noch die harmlosen Anmerkungen. Aber: Peace. Kämpft nicht gegen die beiden. Das ist ihr Job. Außerdem braucht ihr sie noch. Nämlich dann, wenn ihr eure Ideen genau unter die Lupe nehmt. Dann müsst ihr sie rauslassen. Dann leisten sie sehr gute Dienste. Vorher aber nicht. Sperrt sie in Gedanken in den Schrank, oder malt sie auf Pappe und und legt sie in den Keller. Ihre Stunde kommt noch.

Memo-Tags: Bedenkenträger, Bewerter, Verbannung


4. Bringt eure Programme durcheinander

In jedem Menschen laufen mehrere Programme ab. Nehmen wir zum Beispiel den ALDI-Piloten. Er bringt euch auch in Stoßzeiten zum Supermarkt und zurück, ohne dass ihr viel nachdenken müsst oder wahnsinnig werdet. Das ist ein sinnvolles Programm. Ideen mögen aber solche Programme nicht und auch keine Gewohnheiten. Sie flattern beim kleinsten Anzeichen derartiger Software wie Schmetterlinge davon und ihr fangt euch womöglich eine Pseudoidee ein, die sinnlos euren Kopf besetzt und ein gefundenes Fressen für den Bedenkenträger und den Bewerter ist. Eure alten Programme könnt ihr außer Kraft setzen, indem ihr etwas macht, was ihr sonst nie macht. Geht zu Orten, die ihr sonst nie besucht. Sprecht mit Leuten, mit denen ihr sonst nie sprechen würdet. Schaut euch ungewöhnliche Filme an. Rennt auf die andere Seite der Stadt und da in den sechsten Stock eines Bürogebäudes, reißt ein Fenster auf und schreit irgendwas raus. Das Erste, was euch in den Sinn kommt. Geht zum Elektrogroßmarkt und lasst euch ein Gerät erklären, das ihr nie kaufen würdet. Setzt euch in einen x-beliebigen Bus und fahrt drauflos. Wem das zu viel ist, der kann sich auch im Besprechungsraum auf den Boden legen und sich die Decke anschauen. Alles, was nicht wie sonst abläuft, ist hilfreich. Seid fantasievoll. Bringt eure Programme durcheinander. Probiert es aus. Es wirkt.

Memo-Tags: ALDI-Pilot, Programme, Pseudoideen, Programmstörungen, Orte, Menschen, Ungewohntes


5. Seid offen und werdet zum Riesentrichter

Vielleicht gibt es ja Feen,Trolle oder Parallelwelten. Was denkt ihr? Wie auch immer. Ganz bestimmt gibt es aber etwas in euch, das immer denkt. Seid also offen und empfangsbereit. Wünscht euch zur Übung eine Idee zu einem bestimmten Projekt und wartet auf eine Antwort. Manchmal kommt eine Ideenpaket, gerade wenn man nicht daran denkt. Bei mir funktioniert das fast immer. Ich döse vor mich hin und Ding Dong. Es klingelt. Paket angekommen. Keine Ahnung, wie das geht. Muss ich ja auch nicht wissen. Probiert es aus. Und: Ich bin kein Esoteriker. Ein Psychologe würde vielleicht sagen, dass es das Unterbewusstsein ist. Vielleicht sind es aber doch Feen und Trolle.
Ihr braucht auf jeden Fall einen Stift und einen Block. Legt das Equipment neben euch beim Schlafen und habt es auch sonst immer dabei. Manchmal vergisst man eine zugeflogene Idee. Das wär doch schade.

Memo-Tags: Offen, Riesentrichter, Feen, Trolle


6. Bleibt cool – Ideen ist egal, wer sie hat

»Können Sie darüber mal nachdenken? Wir bräuchten dann am Montag eine Idee.« Für die meisten ist das der absolute Wochenendkiller. Ausflüge werden gecancelt, Partys, das Kicken mit Freunden, Tage der Couch. Da kann schon mal ein Wochenende vollgegrübelt und Freunde und die Verwandtschaft in den Wahnsinn getrieben werden. Das Ergebnis ist oft sehr bescheiden. Nur ein bis zwei kleine Nuggets – wenn überhaupt. Das liegt auch daran, dass sich Ideen in einem Klima von Angst und Druck erst gar nicht zeigen. Ich weiß, es ist schwer cool zu bleiben – aber Gelassenheit ist wichtig. Und wenn ihr keine Idee habt? Na und? Und wenn die Idee nicht gut ist? Na und? Was wenn der Papst Günter Wallraff oder 42 der Sinn des Lebens ist? Ideen lieben die Respektlosigkeit. Also – bleibt cool und gelassen, das finden Ideen unglaublich attraktiv. Om.

Memo-Tags: Coolness, Respektlosigkeit, Gelassenheit, Papst, Wallraff, 42


7. Das Schweigegelübde und die Vermeidung von voreiligen Tests

Bei uns zu Hause sagt man: Gacker nicht, bevor du ein Ei gelegt hast. Wahrscheinlich sagt man das überall und ihr kennt den Spruch. Die meisten Ideen verbrennen im frühen Testfeld wie eine Kugel Eis in der Wüste. Nach ihrer Entdeckung brauchen Ideen eine gewisse Schon- und innere Prüfzeit. Vermeidet also frühes Ausplaudern oder sogar Tests, beides führt meistens zu einer Abnutzung der Ideen. Am besten ihr legt eine Schonzeit fest, in der ihr nicht über die Idee redet.

Memo-Tags: Gegacker, Ei, Ausplaudern, Prüfungen, Tests, Schonzeit

Das sind also meine Basics für die optimale Ideenfindung. Probiert das eine oder andere doch mal aus und schaut, was passiert, und wenn ihr Lust habt, dann schreibt mir eure Gedanken und Erfahrungen dazu.

Bei wer-weiss-was schreibt Dіmіtris:
»Liebe/-r Experte/-in, ich mache mich gerade mit einem Shop selbstständig. Ich habe eine totale Denkblockade. Anregungen und keine Ideen zum Thema effektive, kosten(freie)günstige Werbung. Ich bin nicht einmal in der Lage, eine zusammenhängende Frage zu stellen. Wäre schön, wenn mir eure Denkanstöße die Bremse im Kopf lösen würden. Danke.«

Lieber Dimitris, ich hoffe, ich konnte dir mit dem ersten Teil des Artikels schon ein paar Denkanstöße geben. Im nächsten Monat gibt es neuen Stoff: Kreativtechniken zur Ideenfindung.

 

Bis bald.

Ich wünsch euch schöne Fragen – und viele gute Antworten.

Der Frager

Autor:

Manfred Zimmer ist Der Frager

Manfred Zimmer ist Der Frager. Der Diplom-Informatiker wechselte direkt im Anschluss an sein Studium in die Kreativbranche. Heute arbeitet er mit seiner Textagentur ZimmerText als freier Texter, Kreativkonzeptioner und Berater in Hamburg.

 

Oder: Kann man mit einem eBook den Literaturnobelpreis gewinnen?

eBooks – Fragen über Fragen

Wenn ich über eBooks nachdenke, fliegen mir die Fragen nur so um die Ohren und mein Puls steigt. Hier mal ein Schwergewicht: Kann man mit einem eBook den Literaturnobelpreis gewinnen? Ich habe in Schweden nicht nachgefragt. Vielleicht sollte ich das mal tun. Die elektronische Ausgabe von »Die Atemschaukel« von Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller gab es jedenfalls eine Zeit lang als kostenloses eBook. Was, wenn zukünftige Bestseller-Autoren ihre Werke nur als eBook veröffentlichen würden?
Wie sieht eine Buchmesse aus, die von elektronischen Büchern dominiert wird? Ein Tresen mit iPads und Pappaufstellern mit dem Buchcover? Der Autor liest vor Publikum Textpassagen von einem Kindle ab?
Wenn ich nachts also nicht schlafen will, muss sich nur über eBooks nachdenken. Das reicht schon. Ein faszinierendes Thema.


Wie war das früher mit den eBooks?

Als ich vor einigen Jahren einen Freund in seinem Büro besuchte, sah ich das Firmenschild eines eBook-Reader-Unternehmens im Haupteingang. Ich wusste, dass es solche elektronischen Geräte gibt, hatte ihnen bisher aber keine Beachtung geschenkt. Graue, langweilige Geräte. In den Buchhandlungen lagen sie meist neben den Übersetzungsgeräten, die ausschauen wie Taschenrechner. Für mich irgendwie alles nutzlos. Nicht praktisch. Technischer Schnickschnack. Das Angebot an elektronischen Büchern war eher gering. Es gab keine übergeordneten Plattformen und die Geräte waren nicht gerade günstig. Nein – für mich war das nichts. Gegen das Buch hatten sie, aus meiner damaligen Sicht, keine Chance.


Warum sind eBooks populär geworden?

Mit der Verbreitung des Portable Document Format (PDF) wurden auch eBooks immer selbstverständlicher. Ein Klick und ich habe das Handbuch eines Telefons, eine wissenschaftliche Arbeit oder ein Kochbuch auf dem Bildschirm. Das Learning der Kunden veränderte die Nachfrage und darauf reagierten logischerweise auch die Anbieter wie Amazon. Den hauseigenen eBook-Reader Kindle gab es ja schon seit Längerem, nun wurden aber auch die Möglichkeiten zum Selfpublishing ausgebaut. Im April 2011 eröffnete Amazon den deutschen Kindle-eBook-Store und zeitgleich Kindle Direct Publishing (KPD), mit dem jeder Autor in der Lage ist, sein Buch selbst zu verlegen. Man ist übrigens nicht auf den Kindle als Lesegerät angewiesen. Es existieren kostenlose Kindle-Apps für Windows-PC, Mac, iPod, iPad, iPhone, Android-Geräte und für Windows Phone.


eBook-Plattformen – wer macht das Rennen?

Weil Pluralismus ein Wesensmerkmal des Netzes ist und ich nicht Werbeträger von Amazon bin, möchte ich noch erwähnen, dass es auch andere Veröffentlichungsmöglichkeiten wie etwa den iTunes Store gibt. Und natürlich die vielen, vielen anderen Plattformen mit eBooks der unterschiedlichsten Formate und Themenbereiche. Ich konzentriere mich auf Amazon, weil es mein Favorit ist. Eine gerade veröffentlichte Statistik bestätigt meinen Eindruck. Laut einer Studie der Uni Hamburg werden 57 % aller eBook-Käufe bei Amazon getätigt. Die komplette Statistik seht ihr hier (Quelle: WirtschaftsWoche, Ungedruckt – Notizen aus der Medienwelt von Sebastian Matthes).

Amazon Kindle 4


Welche Konsequenz hat die Entwicklung des eBook-Marktes für Verlage und Autoren?

Vielleicht mag der ein oder andere denken, dass es den Buchverlagen nun an den Kragen geht. Das glaube ich aber nicht. Ich bin mir sogar sicher, dass es nicht so sein wird. eBooks erweitern eher den Aktionsradius der Verlage. Vorhandene Bücher können als eBook angeboten werden. Projekte, die bisher zu wenig effizient waren, lassen sich nun realisieren. Autoren, die früher wegen einer zu niedrigen Auflage oder eines zu exotischen Themas bei Verlagen keine Chance hatten, eröffnet sich durch das Selfpublishing neue Möglichkeiten. Auch wer ein Buch mit geringer Seitenzahl veröffentlichen will, zum Beispiel 40 Seiten, um mal eine Zahl zu nennen, findet hier seinen Markt.


Wie schaut es mit der Qualität der eBooks aus?

Der eBook-Markt ist noch verhältnismäßig jung und natürlich tummeln sich bei Amazon neben wirklich guten Autoren auch solche, die denken, dass sie mit eBooks reich werden könnten. Das Motto dieser Autoren: Inhalt egal, Hauptsache eBook. Trash pur. Meist erkennt man sie schon am Cover und dem reißerischen Titel. Wer Schund meiden will, liest die kostenlosen Leseproben, die Rezensionen und natürlich die Kommentare, die als Erwiderung auf den Trash oft sehr lustig und unterhaltsam sind – und aus meiner Sicht schon ein eBook wert wären. Sicherlich wird es noch einige eBook-Wellen geben und die anfänglichen Wehwehchen dieser Technik werden weggespült. Qualität wird sich durchsetzen – und der Markt und die Leser werden sie erkennen.


Fragen zum Thema eBooks bei wer-weiss-was

Bei wer-weiss-was schreibt Achim S. »Guten Tag, 
ich habe als Referent mehrere Skripte für arbeitsrechtliche Vorträge verfasst.
 Diese würde ich gerne als eBooks zum Download gegen kleines Entgelt im Netz anbieten.
 Hat jemand einen Tipp dazu, wie das technisch geht?
 Man benötigt ja sicher irgendeine Software, die die Zahlung annimmt und den Download erst nach Zahlung freigibt?
 Muss man sich da einem eBook-Verlag anschließen oder kann man das selbst betreiben?

 Vielen Dank für Ihre Tipps und Hinweise.«

Lieber Achim, ich hoffe, ich konnte dir mit meinem Artikel schon etwas weiterhelfen. Für alle, die mit dem Gedanken spielen, ein eBook zu veröffentlichen, habe ich nachfolgend ein paar Publikationen und Links zusammengestellt. Hier erfahrt ihr, wie ihr ein eBook entwickeln und bei Amazon veröffentlichen könnt – und einige andere nützliche Tipps.

1. »Eigene E-Books erstellen und verkaufen«
Wolfgang Tischer, Chefredakteur und Herausgeber von Literaturcafe.de, wendet sich an den absoluten Anfänger, und ich finde, er macht das prima. Das Buch ist gut strukturiert und führt den Leser gekonnt von den Basics bis zum praktischen Entwickeln eines eBooks. Hier findet ihr auch alles zu den Modalitäten, also zur Autorenhonorierung etc. Ihr erhaltet das Buch zum Preis von 2,99 € bei Amazon – natürlich als eBook.

2. »Mit einem Texteditor Dokumente und E-Books für Amazon Kindle erstellen«
Dieses kostenlose eBook von Vladimir Simovic wendet sich an Autoren mit HTML- und CSS-Grundkenntnissen. Es enthält eine gut verständliche Anleitung, wie man ein eBook auf der Grundlage von HTML und CSS und mithilfe der kostenlosen Amazon-Programme KindleGen und Kindle Previewer entwickelt. Amazons Mobipocket-Format wird nämlich aus HTML und CSS generiert. So hat man die beste Kontrolle über die Struktur und die Formatierung des späteren eBooks und gleichzeitig ein optimiertes Ladevolumen. Letzteres ist wichtig, weil Amazon dem Autor pro Megabyte 12 Cent bei jedem (!) einzelnen Buch-Download berechnet.
Ihr könnt das eBook von Vladimir Simovic als PDF-Datei auf seiner Seite perun.net kostenlos downloaden. Das lohnt sich auf jeden Fall. Der Autor und Blogger hat schon einige Bücher und eBooks veröffentlicht. Seine Publikationen bestechen durch ihre klare, verständliche Sprache, die den Leser nicht aus den Augen verliert.

3. Kindle Direct Publishing
Amazon beschreibt auf seiner Website, wie das genau geht mit dem Selfpublishing. Ihr findet dort die Punkte: »Erste Schritte und häufig gestellte Fragen«, »Was ist der Amazon Kindle?«, »Wie erreicht man möglichst viele Leser?«. Und natürlich gibt es auch eine Community.

Ich finde eBooks großartig. Kein Autor und kein Verlag muss zittern. Im Gegenteil: eBooks werden die Welt bereichern. Ich habe mir ein Kindle zugelegt und bin von den Möglichkeiten begeistert. Aber die »Süddeutsche« oder ein gutes Buch lese ich nicht damit. Das ist mir echt zu kleinteilig. Eher Dokumentationen, Features, ausgewählte Artikel. Jeder, wie er mag.

Bis bald.

Ich wünsch euch schöne Fragen – und viele gute Antworten.

Der Frager

Autor:

Manfred Zimmer ist Der Frager

Manfred Zimmer ist Der Frager. Der Diplom-Informatiker wechselte direkt im Anschluss an sein Studium in die Kreativbranche. Heute arbeitet er mit seiner Textagentur ZimmerText als freier Texter, Kreativkonzeptioner und Berater in Hamburg.

 

Oder: Warum wir alle Erfinder sind

Als ich vor einigen Jahren den größten Schirmladen der Stadt betrat, war ich aufgeregt. Ich hatte den Schirmpieper erfunden und wollte nun wissen, ob es einen Markt dafür gibt.
Der Inhaber war begeistert. Genau so ein Gerät hatte er sich seit Jahren gewünscht. Er würde mich unterstützen und den Schirmpieper in seinem Laden promoten und verkaufen. Ich war glücklich. Allerdings waren noch ein paar Hürden zu überwinden. Zunächst musste ich den Schirmpieper bauen – das heißt: bauen lassen, denn ich hatte ja keine Ahnung, wie man so was macht. Ich kannte zwar einige elektronische Bauteile, wusste aber nicht, welche infrage kommen und wie man sie richtig anordnet. Ein Gehäuse musste auch her. Von einem Produktdesigner würde ich es anfertigen lassen. Aber welche Maße sollte dieses Gehäuse haben? Mussten der Techniker und der Designer zusammenarbeiten? Und wie sollte ich meine Idee schützen? Ich sah den Techniker und den Designer und die eine oder andere Person mit meiner Idee durchbrennen. Mir wurde klar, dass ich den Schirmpieper zwar im Kopf hatte, aber noch lange nicht in der Realität. War es also schon eine Erfindung? Marijan Jordan von Erfinderhaus.de meint: ja. Jeder sei ein Erfinder, der eine Lösung im Kopf habe, die es so noch nicht gibt. (Ein Interview mit Marijan Jordan folgt nach diesem Artikel, Anm. Der Frager).

Ich fertigte also Zeichnungen an. Sprach vorsichtig mit Freunden und vertrauenswürdigen Personen. Die Idee: Das Gerät sollte aus zwei Teilen bestehen. Modul A am Schlüsselbund, Modul B am Schirm befestigt. Entferne ich mich vom Schirm, sendet B ein Signal an A. Die Sensibilität des Gerätes nach Distanz in Metern einstellbar.

Der Schirmpieper – so hatte ich mir das gedacht.

Der Hintergrund: Ich hatte schon etliche Regenschirme stehen lassen. Eine nervige und teure Angelegenheit, wenn man sich nicht mit billigen Eintagsschirmen begnügen will. »Wahrscheinlich ist die Industrie an deinem Schirmpieper nicht interessiert. Die verdienen doch daran, dass Schirme vergessen werden«, meinte ein Freund. Da hatte er vermutlich recht. Das hatte ich auch schon gedacht, doch wieder verdrängt. Ich wollte aber nicht aufgeben. »Erfinder sind zähe Hunde. Die geben nicht gleich auf.« Ich machte mir Mut.

Ich schickte Briefe an verschiedene Hochschulen. Telefonierte hinterher. Studenten könnten die Lösung sein. Ich wusste, dass sie Geräte in Studien- und Diplomarbeiten entwickeln. Ich bekam nie eine Antwort. Ich gab Online-Anzeigen auf, in denen ich Elektro-Tüftler suchte. Keine Resonanz. Einen hatte ich im Netz gefunden, Bilder von vielen Lämpchen und Drähten auf seiner Website. Der Daniel Düsentrieb aus dem Ruhrgebiet. Der würde es bestimmt können. Aber: Er habe genug zu tun und leider keine Zeit. Schade.

So verging die Zeit. Meine Durchhalteparolen verblassten. Ein heißer Sommer – ohne Regen und ohne Schirme. Der Schirmpieper verschwand in den Archiven meines Kopfes. In der Ablage, ganz hinten bei den anderen Erfindungen. Dem digitalen Thermostat, dem Trinkwassersparer und der Software, die ich programmiert hatte – zur Erfindung von Namen für Fantasy-Romane, Budifanufel 2.0 genannt.

Viel später wurde mir klar, dass Erfinden viel mehr ist, als einfach »nur« eine Idee zu haben. Was mir in meinem Job als Konzeptioner leichtfällt und Spaß macht, ist bei Produkten schwierig. Aber auch, weil ich damit ein Gebiet betrat, das mit Formularen, Vorschriften und Gebühren zugepflastert ist. Erst vor Kurzem erfuhr ich von Erfinderhaus.de, dass sie Erfinder bei der Bewältigung dieser Hürden umfassend beraten.

Bei wer-weiss-was gibt es zahlreiche Postings zum Thema Erfindungen und Erfinder. So schreibt Raphael: »Ich hätte da mal eine Frage: Ich habe seit einiger Zeit eine sicherlich nicht ganz unnütze Erfindung im Kopf. Jetzt weiß ich nur nicht, wie ich am besten damit umgehen soll. Um es beim Patentamt anmelden zu können, braucht man von diesem Gerät doch sicher zuerst einen Bauplan – oder?! Soll ich jetzt zu einem Zeichner gehen, der meine Idee umsetzt, oder soll ich es selber zu Papier bringen? … Hinzu kommt noch das Problem, dass ich technisch nicht so wirklich gut bin, und ich somit Hilfe zur Umsetzung brauche. Könnte ich die Idee an eine größere Firma verkaufen oder müsste ich selbst eine gründen? Fragen über Fragen. Ich wäre über eure Hilfe sehr glücklich!« Darauf folgten umfangreiche Postings mit Tipps und Ratschlägen.

Sicherlich ist wer-weiss-was eine gute Plattform für eure Fragen. Auch hier gilt: Nicht zu viele Details ausplaudern. Es lesen ja nicht gerade wenige mit. Vielleicht wendet ihr euch auch direkt an das wer-weiss-was-Expertenforum. Der nächste Schritt wäre dann, Profis wie die vom Erfinderhaus oder von der Handelskammer in eurer Stadt anzusprechen, die euch zuerst einmal weiterhelfen können – was ich aus eigener Erfahrung weiß.

Was ich euch also zum Schluss sagen will: Habt Mut. Gebt nicht so schnell auf, wenn ihr für eure Idee brennt. Bei der nächsten Erfindung wisst ihr schon mehr. Und für alle, die nur gerne Ideen haben: Das ist doch auch schön. Spinnt also ruhig rum.

Übrigens: Meinen Schirmpieper gibt es mittlerweile. Allerdings nicht von mir. Das Gerät heißt Kevin passt auf. Wer hat’s gemacht? Natürlich die Schweizer. Es passt nicht nur auf Schirme auf, sondern auch auf Taschen, Koffer, Laptops oder Handys. Prima. Viel Erfolg mit der Innovation.

Bis bald.
Ich wünsche euch schöne Fragen – und viele gute Antworten.

Der Frager


Interview mt Marijan Jordan von Erfinderhaus.de

Marijan Jordan

Marijan Jordan ist Mitinhaber von Erfinderhaus.de, Erfinder-
laden.de, patent-net.de und einigen anderen Institutionen, die sich mit Erfindungen und Innovationen beschäftigen. Seit knapp 15 Jahren arbeitet er eng mit Erfindern zusammen. Er sagt: Noch nie in der Geschichte war es so leicht, mit einer Idee erfolgreich zu werden.

Der Frager: Herr Jordan, haben Sie selbst schon einmal etwas erfunden?

M. Jordan: Da ich der Meinung bin, dass jeder ein Erfinder ist: Ja, natürlich auch ich. Sobald man ein Problem sieht und eine Lösung findet, die so noch nicht existiert, ist man Erfinder.

Der Frager: Viele Menschen denken bei Erfindern ja an mediale Erscheinungen wie Daniel Düsentrieb oder Doc Brown aus dem Film Zurück in die Zukunft, der den legendären Fluxkompensator erfunden hat. Welche Erfindertypen gibt es Ihrer Erfahrung nach denn so?

M. Jordan: Nun, das sind Figuren, die sich jemand ausgedacht hat, wie den Pirat mit Holzbein und Augenklappe. Das hat mit der Realität wenig zu tun. Es gibt aber dafür andere Typen. Die jetzt aus dem Stegreif zu katalogisieren, könnte schwer werden – aber ich will es versuchen.

Der Ängstliche
Er hat sogar noch, wenn er bereits ein Patent hat, Angst es anzubieten, weil man es ihm doch irgendwie noch stehlen könnte.

Der Möchtegernerfinder
Er hatte vor der NASA die Idee für die Mikrowelle und hatte Facebook im Kopf, bevor Zuckerberg geboren war. Er setzt aber nie etwas in die Tat um.

Das Genie
Eine Art Leonardo da Vinci der Neuzeit. Er ist Erfinder mit Leib und Seele. Zu fast allen Lebensthemen fällt ihm etwas ein. Er ist ein Tüftler und entwickelt gerne Prototypen, die seiner Idee sehr nahekommen. Er ist allerdings kein Unternehmer und kann auch nicht immer die wirtschaftlichen Hintergründe einschätzen. Einige seiner Ideen sind aber durchaus interessant.

Der Unternehmer
Er kann sogar eine Erfindung, die gar nicht nicht so besonders ist oder nur minimal anders als etwas Existierendes, erfolgreich machen. Ihn zeichnet aus, dass er mehr an sich glaubt als an diese eine Erfindung.

Der Heimwerker/Die Hausfrau und Mutter
Ein toller Erfindertyp, da man hier Lösungen für Probleme bekommt, die diese Menschen tatsächlich haben. Reich zu werden ist nicht ihr Hauptziel, sondern eine praktikable Lösung anzubieten.

Einen schönen Querschnitt von Erfindern findet man auf www.patent-net.de. Sie freuen sich über Lob, Kontakte aller Art, Tipps …

Der Frager: Was ist aus Ihrer Sicht die aufregendste Erfindung der Menschheitsgeschichte?

M. Jordan: Die Klassiker: Rad, Schrift, Buchdruck, Telefon. Alle Arten von Motoren, das Internet und einiges mehr. Mein Favorit ist allerdings die Schrift, weil so enorm viel auf ihr aufbaut.

Der Frager: Stimmen eigentlich die Gerüchte, dass Unternehmen interessante Erfindungen aufkaufen und dann aus Wettbewerbsgründen in der Schublade verschwinden lassen? Wenn ja – könnten Sie Beispiele nennen?

M. Jordan: Meines Wissens kommt das eher selten vor, und ich kann kein konkretes Beispiel nennen. Durch Aufkaufen eines Schutzrechtes lässt sich eine neue Technologie nicht aufhalten, wenn die Zeit dafür reif ist.

Der Frager: Wie gehen Sie mit Erfindern um, die Ihnen eine interessante oder witzige, aber völlig marktuntaugliche Erfindung vorstellen? Ich denke da zum Beispiel an die elektrische Spaghettigabel.

M. Jordan: Die elektrische Spaghettigabel? Aber das ist doch hervorragend – Nein, im Ernst, ich bin sicher, dass es sie schon gibt (tatsächlich existiert dieses Gerät, Anm. Der Frager). Dinge, die man nicht unbedingt braucht, sind nicht so schwer zu verkaufen, wenn man es schafft, das Verbraucherinteresse dafür zu wecken. Mit gutem Marketing ist das möglich, und man hat weit mehr Erfolgschancen als mit einem High-Tech-Produkt. Da müssen Sie rechnen und beweisen, dass das Gerät besser ist und günstiger als das, was derzeit auf dem Markt ist. Und es ist nicht gesagt, dass der Erfinder der elektrischen Spaghettigabel, wenn er es geschickt anstellt, nicht mehr Geld machen kann und bekannter wird als der Techniker, der mit einem neuen Produkt beispielsweise für höhere Sicherheit oder mehr Produktivität sorgt.
Aber zum Kern der Frage: Wenn etwas gar nicht mehr zu retten ist, raten wir sanft dazu weiter zu überlegen, und versuchen, dem Erfinder die Augen zu öffnen.

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Die elektrische Spaghettigabel – gibt es wirklich schon.

Der Frager: Wie sollen Menschen vorgehen, die eine Idee haben? Was sind die wichtigsten Schritte?

M. Jordan: Auf unserer Website und dort auch unter unseren Buchtipps gibt es einiges, womit man mal loslegen kann. Grundsätzlich gilt: Erst schützen, dann reden. Patentanwälte, Rechtsanwälte und Berater nehme ich da mal aus, wenn eine Geheimhaltungspflicht oder eine entsprechende Erklärung vorliegt.

Der Frager: Welche Hilfe können Sie den Menschen anbieten?

M. Jordan: Ich möchte sagen, alles, was man als Erfinder benötigt. Was nicht einer unserer 40 Mitarbeiter kann, dafür haben wir in den vergangenen Jahren Kontakte aufgebaut.  Mit dem Erfinderladen www.erfinderladen.de und einem eigenen Vertrieb können wir Erfindungen sozusagen von der Produktion bis zu den Kunden bringen. Das ist ein enormer Sprung für uns gewesen. In unseren Läden testen wir die neuen Produkte. Wenn die Zahlen stimmen, findet sich später ein Vertrieb.

Der Frager: Was wären aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Erfindungen in den nächsten zehn Jahren?

M. Jordan: Nun ich hoffe, dass die größten Probleme durch neue Erfindungen gelindert werden können. Das wären für mich: umweltfreundliche Energie herstellen, speichern und transportieren können und das Zur-Verfügung-Stellen von sauberem Wasser für alle. Ein großer Sprung in der Krebs- oder Aidsheilung wäre das Tüpfelchen auf dem i. Aber vermutlich wird es etwas anderes werden.

Der Frager: Welche Innovation würde Sie begeistern – unabhängig vom Nutzen dieser Erfindung?

M. Jordan: Über ein Perpetuum mobile müsste ich wirklich sehr lachen.

Der Frager: Wenn Sie selber Erfinder wären und eine Werkstatt hätten, welchen Satz hätten Sie über Ihrer Werkbank hängen?

M. Jordan: »Solange sie über dich schmunzeln, machst du irgendwas richtig!«

Herr Jordan, wir danken Ihnen für dieses Interview.

Autor:
Manfred Zimmer ist Der Frager. Der Diplom-Informatiker wechselte direkt im Anschluss an sein Studium in die Kreativbranche. Heute arbeitet er mit seiner Textagentur ZimmerText als freier Texter, Kreativkonzeptioner und Berater in Hamburg.

 

Oder: Wie der Japaner Hiro Nakamura die Zeit für eine Sekunde anhielt

Kennt ihr vielleicht Hiro Nakamura? Er ist 27 Jahre alt und arbeitet als Programmierer bei Yamagato Industries in Tokio. Seine Arbeit erfüllt ihn nicht und am liebsten liest er Comics und träumt von Superhelden. Er ist sich ganz sicher, dass er das Raum-Zeit-Kontinuum mit seinem Willen beeinflussen kann. Eines Tages gelingt ihm das tatsächlich, und der Wecker auf seinem Schreibtisch springt genau um eine Sekunde zurück. Eine Sensation. Schade: Im Büro glaubt ihm das niemand.
Nach dieser Erfahrung spürt Hiro, dass er etwas ganz Besonderes ist. Er setzt noch einen drauf und schafft es, per Teleportation fünf Wochen in die Zukunft zu reisen – nach New York. Dort findet er heraus, dass er Millionen von Menschen vor einer Atombombe retten soll.

Okay – ihr ahnt es: Hiro Nakamura ist ein Filmheld. Er ist eine der Hauptfiguren aus der amerikanischen TV-Serie »Heroes«. Während der einzelnen Episoden tauchen immer neue Menschen mit besonderen Fähigkeiten auf. Böse und Gute. Unsichtbare, fliegende, superstarke, gedankenlesende Menschen.

Bei jeder Episode habe ich mich gefragt, was würde ich wohl für eine besondere Fähigkeit haben wollen? Gedankenlesen? Oder Durch-die-Wände-gehen-Können? Was würde man dann tun? Umsonst ins Hallenbad? Nachts bei Karstadt? Oder mal reinschauen wie es bei Merkels im Wohnzimmer ausschaut? Haha. Besonders beeindruckend fand ich die Frau, die sich in jeden x-beliebigen Menschen verwandeln kann. So eine Art Chamäleon.

Wolltet ihr als Kind auch Superkräfte haben? Ich schon. Mit den anderen in der Straße wetteiferte ich: Wer schlägt wen? Röntgenblick gegen Düsen in den Füßen, wolkenhohe Sprungkraft gegen Elektropfeile, die aus der Hand kamen, unverwundbares Strahlenschild gegen Skateboard mit Warp-Antrieb. Letztendlich gewann aber nie jemand wirklich. Immer war eine Fähigkeit noch besser oder sogar wieder schlechter als eine, die eigentlich schon aus dem Rennen war. Okay – wahrscheinlich so eine Jungssache. Ich glaube, Mädchen wollen Popstar werden oder Model oder ein Pferderanch in Arizona besitzen.

Bei wer-weiss-was fragt SilasIch interessiere mich schon seit Langem für Telekinese. Kann man so etwas lernen oder muss einem diese Fähigkeit angeboren sein? Wenn man das aber lernen kann, geht das per Internet oder Bücher oder muss man einen Kurs besuchen?
Also Silas, hier ist meine Antwort: Eventuell gibt es Telekinese nicht. Allerdings schwört ein Freund von mir, dass seine Tante Gegenstände bewegen kann wie kleine Gießkännchen, Salzstreuer, Fernbedienungen oder Süßstoffspender. Bleib dran, und such weiter, vielleicht gibt dir ja jemand Unterricht. Bezahl aber erst im Erfolgsfall. Besser ist das.

Ich frage mich, ob es immer so eine Superfähigkeit sein muss. Ich finde, jemand hypnotisieren oder Zaubertricks zu können, ist auch schon ziemlich cool. Oder: gut kochen können. Damit kommt man prima durchs Leben. Mit einer raffinierten selbst gemachten Pizza oder mit Gerichten wie Saltimbocca alla romana oder Kaninchen in Rotweinsauce mit Semmelknödeln kann man das ganze Leben lang Menschen verzaubern und beeindrucken. Also könnte eine besondere Fähigkeit auch was völlig Irdisches sein. Oder?

Denkt ihr nicht auch, dass eine besondere Fähigkeit für jeden was anderes ist?
Vielleicht kann euer/e Freund/in/Frau/Mann tolle Geschichten erzählen oder die Zunge auf die Nasenspitze legen, mit einem Streichholz zwischen den Zähnen einen Number-One-Hit singen oder ganz einfach unheimlich gut zuhören. Ich finde ja Verbindlichkeit ziemlich klasse. Jemand sagt etwas, und das tut er dann. Klar: Klingt ziemlich langweilig. Wahrscheinlich so wie rücksichtsvoll sein oder großzügig.

Manchmal, wenn ich durch die Foren surfe, entdecke ich Menschen die auf Fragen mit einem Google-Link antworten. Sonst nix. Nur der Link zur Suchmaschine. Nach dem Motto: »Hier – schau doch selbst. Es gibt doch Google.« Da fragt einer und dann so was. Aber es gibt auch andere. Na ja – eben die freundlichen, rücksichtsvollen, netten Antworter. Ich finde, das ist eine gute Fähigkeit. Oder ist das eine Eigenschaft?

In der letzten Episode der ersten Staffel von »Heroes« (die Serie wurde wegen großem Erfolg fortgesetzt) verhindert Hiro Nakamura, mit seinem Schwert und mit der Hilfe der anderen Helden, die Atomexplosion. Gottseidank. Ich bewundere ihn. Er hat tapfer gekämpft. Danke Hiro. Leicht war es auch für ihn nicht immer – den Superhelden. Aber er hat es geschafft. Ich glaube, nicht nur weil er diese enorme Fähigkeit, sondern auch weil er einen guten Charakter hat. Aber eigentlich muss man dazu ja kein Superheld sein. Oder was meint ihr?

Bis bald.
Ich wünsche euch schöne Fragen – und viele gute Antworten.

Der Frager

Autor:
Manfred Zimmer ist Der Frager. Der Diplom-Informatiker wechselte direkt im Anschluss an sein Studium in die Kreativbranche. Heute arbeitet er mit seiner Textagentur ZimmerText als freier Texter, Kreativkonzeptioner und Berater in Hamburg.